Botox gegen die überaktive Blase – ein Erfahrungsbericht

Erstmal vorab eine Kurzinfo: Botox ist ein bakterielles Nervengift, das – in der richtigen Dosierung – die Muskeln schwächen oder lahmlegen kann. Und ja, habt ihr eine überaktive Blase, liegt das meist daran, dass eurer Blasenmuskel einfach zu aktiv, zu stark ist. Spritzt man nun Botox in diesen zu aktiven Muskel, wird er faul und hört auf, sich ständig, bei der geringsten Flüssigkeitsmenge zusammenzuziehen.

Und: Botox darf erst zum Einsatz kommen, wenn blasentechnisch alles untersucht und für unauffällig befunden wurde und ihr so ziemlich alle Medikamente durchhabt. Das heißt, ihr kriegt Botox erst injiziert, wenn eure Blase eine richtige Bitch ist (sorry) und auf vorherige Medikamente nicht anspringt. Dann kann euer Urologe das Go für Botox geben.

Botox in die Blase: so war’s

Als meine damalige Ärztin mit Botox um die Ecke kam, wusste ich im ersten Moment echt nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Botox. Sofort schossen mir Bilder von zugespritzten, aufgeplusterten, jeglicher Mimik beraubten Menschen in den Kopf, die durch das Nervengift wortwörtlich ihr Gesicht verloren hatte. Und ich jetzt auch? Na ja, was heißt ich… meine böse Blase eben. Aber wisst ihr was? Ich war zu dem Zeitpunkt so verzweifelt, dass ich einfach dachte: „Was soll’s? Schlimmer kann’s jetzt auch nicht werden…“. Also sagte  ich zu, meine Blase, also Blasenwand  mit einem Nervengift lahmzulegen.

Da ich eine ziemliche Schisserin bin und schon beim Blutabnehmen in Ohnmacht falle (ehrlich wahr), wollte ich die Prozedur unbedingt unter Vollnarkose machen. Das bieten die meisten Ärzte wohl auch so an, Hartgesottene können es aber auch mit einer örtlichen Betäubung über sich ergehen lassen.

Ich wachte eine halbe Stunde später auf und hatte – Achtung! – einen Katheter aus mir raushängen. Klar, das kannte ich durch die Untersuchungen, wie Volumenmessung davor schon, ihn jetzt aber statt Pipimachen zu benutzen und die Zeit im Krankenhaus über zu tragen, das war neu. Man fühlt sich einfach alt. Klar, so einen durchsichtigen Sack neben sich am Bett hängen zu haben, dessen Schlauch untenrum in einen hineinführt und sich stetig mit gelber Flüssigkeit füllt, kennt man eigentlich nur von alten Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, alleine auf Toilette zu gehen. Und ich nun eben auch. Mit 31 Jahren. Gratulation, dein Leben läuft ja wie am Schnürchen! Und natürlich wurde alles noch besser: Ist der Sack irgendwann voll mit Urin, darf man den natürlich nicht selber entleeren. Man muss man eine Schwester oder einen Pfleger rufen, die einen dann zur Toilette führen und den Urin aus dem Beutelchen in die Toilette schütten. Man selber steht daneben und guckt blöd… also ich zumindest. Menschenwürde? Wo bist du hin? Aber gut, anders geht es eben nicht und wir wollen hier auch mal nicht so kleinlich sein.

Ganze zwei Tage musste ich im Krankenhaus verbringen. Mit Katheder und ohne Hose. Und hat sich dieser ganze Aufwand wenigstens gelohnt?

Botox in die Blase – lohnt sich das?

Ich mache es kurz und schmerzlos: Bei mir hat sich keine Verbesserung eingestellt. Nüscht, nada. Die Ärzte warnten mich schon, dass die Dosierung vielleicht zu gering sein könnte. Ich wollte aber keine Höhere, weil die Nebenwirkungen (u.a Restharn) mir einfach zu krass waren. Und woran kann das liegen? Nun, vielleicht war das Botox wirklich zu schwach für meine super muskulöse Blasenwand. Gegen dieses 1a Sixpack kommt selbst Nervengift nicht an.

Warum wirkt Botox in der Blase nicht?

Es kann aber auch sein, dass ich eine Infektion hatte. Hört sich komisch an, kann aber wirklich sein. Eine neue Urologin meinte kürzlich, dass Botox in diesem Fall einfach nicht seine volle Wirkung entfalten kann. Und das können schon minimale Infektionen sein, die man selber eben gar nicht merkt.

Und jetzt? Nochmal an ins Botox-Battle und hoffen, dass dieses Mal alles besser wird? Ich weiß es nicht. Momentan bin ich medikamentös ganz gut eingestellt und komme ganz gut zurecht. Ich werde aber länger drüber nachdenken und mir nochmal neue Studien zu Gemüte führen.

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